Apfelbaum
Äpfel sind in der dunklen Jahreszeit eine gesunde Vitamin- und Nährstoffquelle: Früh- und Herbstäpfel sind jetzt nicht mehr appetitlich, doch die Auswahl an Lageräpfel ist gerade jetzt groß. Für den Hausgarten empfehlen sich besonders Sorten, die gegen die häufigen Krankheiten, wie Schorf und Echter Mehltau widerstandsfähig sind.
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Geschichte und Mythologie
In allen Kulturkreisen, in denen Apfelbäume bekannt sind, gibt es Mythen oder Märchen, in denen Äpfel eine wichtige Rolle spielen: Häufig ist der Apfel ein Symbol für das Leben, die Vollkommenheit, die Liebe und für die Fruchtbarkeit. Manchmal steht er auch für die Unsterblichkeit.
Der Apfelbaum gilt als einer der ältesten vom Menschen genutzten Obstbäume und wurde schon sehr früh kultiviert und züchterisch bearbeitet: Äpfel hatten eine so große Bedeutung im Leben der Menschen, dass sich die Bezeichnung Apfel auch in vielen Wörtern wiederfindet, die nichts mit diesem Obst zu tun hat. Die Begriffe reichen vom Adamsapfel über den Erdapfel und den Reichsapfel bis hin zum Zankapfel, dessen Entstehungsgeschichte aus der Antike stammt und auf einen Streit griechischer Göttinnen zurückgeht.
Seit 2010 gibt es den 'Tag des Apfels' am 11. Januar: Warum zu einem Zeitpunkt, an dem die Erntezeit doch schon so lange vorbei ist, mag sich mancher fragen? Nicht jede Apfelsorte kann gleich nach dem Pflücken verzehrt werden. Manche Äpfel brauchen erst einige Monate Lagerzeit, um ihr volles Aroma zu entwickeln. Dank dieser sogenannten Winteräpfel oder Lageräpfel ist es möglich, auch mitten im Winter noch leckeres Obst aus eigener Ernte zu essen.
Ästhetik
Auch wenn man bei Apfelbäumen und anderen Obstgehölzen meist zuerst an die leckeren Früchte denkt: Obstbäume tragen wesentlich zum Blütenfest im Frühlingsgarten bei. Die Apfel- und Kirschbäume im Alten Land, dem großen Obstanbaugebiet vor den Toren Hamburgs, ziehen im Frühjahr zur Blütezeit unzählige Touristen an. Ein Obstbaum kann auch im Garten die Jahreszeiten auf eindrucksvolle Weise widerspiegeln. Außerdem verleiht er dem Haus ein individuelles Gesicht und bietet im Herbst frisches, leckeres Obst aus eigener Ernte.
Sorten
Es gibt so viele Apfelbaumsorten, dass jeder etwas für seinen Geschmack und seine Ansprüche finden kann. Die neuen Sorten werden auf Unempfindlichkeit und Robustheit gezüchtet. Doch nicht immer halten die Neuheiten, was sie versprechen. Trotzdem sollten bei Neupflanzungen neben den altbewährten Sorten die empfehlenswerten Neuzüchtungen berücksichtigt werden.
Rückschnitt
Ziele
Je nach Alter des Baumes verfolgt man unterschiedliche Ziele: In der Jugendphase, das ist etwa die Zeit von der Pflanzung bis zum Ertrag, muss für einen günstigen Grundaufbau der Baumkrone gesorgt werden. Die drei bis vier Leitäste müssen gleichmäßig um den Stamm verteilt sein und dürfen nicht zu steil anstehen, da sie sonst später, wenn der Baum im Ertrag steht, durch das Gewicht der Früchte ausbrechen könnten.
Auch ein zu flacher Kronenaufbau ist ungünstig. Ideal ist ein Astabgangswinkel von etwa 45 Grad. Bei zu flacher, fast waagerechter Aststellung lässt das Triebwachstum später fast ganz nach. Ein lockerer Kronenaufbau, bei dem Blätter und Triebe nicht lange nass bleiben, beugt Pilzkrankheiten vor.
Sobald die Bäume im Ertrag stehen, muss ein Gleichgewicht zwischen Triebwachstum und Ertrag geschaffen werden: Der Triebneuzuwachs darf nicht überwiegen. Die Früchte müssen gut belichtet werden, um optimal ausreifen zu können. Mit zunehmendem Alter lassen Obstgehölze im Triebwachstum nach. Alte Bäume müssen verjüngt werden, das bedeutet, sie benötigen einen starken Rückschnitt. Dies führt zu einer stärkeren Neutriebbildung und Vitalisierung der Pflanzen. Anschließend müssen allerdings noch Korrekturen im Sommer durchgeführt werden. Danach können alte Bäume wieder höhere Erträge mit verbesserter Fruchtqualität bringen.
Handausdünnung
Eine der wichtigsten Arbeiten beim Apfel ist die Handausdünnung: Während des Junifruchtfalles haben sich die Bäume schon von einer Vielzahl überzähliger Früchte getrennt. Diese natürliche Regulation reicht aber in der Regel nicht aus. Deshalb sollte jetzt umgehend mit der Handausdünnung begonnen werden.
Vorteile: die Qualität der Früchte steigt [weniger Früchte pro Baum ergeben höhere Zuckerwerte], die Fruchtgröße und Farbe werden verbessert, Beschädigte, deformierte oder an ungünstigen Positionen hängende Früchte können entfernt werden.
Doch wie viele Früchte soll man am Baum belassen? Als Faustzahl kann für Äpfel auf schwach wachsenden Unterlagen [M9] eine maximale Fruchtzahl von 8o Früchten angesehen werden.
Besonders wichtig ist die Handausdünnung bei Alternanzsorten wie Elstar oder Boskoop: Dünnt man in Vollertragsjahren nicht rechtzeitig und genügend aus, kann es sein, dass der Ertrag im Folgejahr sehr gering ist.
Sommerschnitt
Zur besseren Ausfärbung auch bei Frühsorten 14 Tage vor der Ernte der Äpfel einen Sommerschnitt für eine bessere Belichtung durchführen: Dabei werden in der Regel ungünstig stehende diesjährige Triebe entfernt. Vorsicht ist geboten an sehr heißen Tagen mit hoher Einstrahlung wegen Sonnenbrandschäden.
Rückschnitt im Herbst
Im allgemeinen gilt: Ein Rückschnitt im Herbst bewirkt einen stärkeren Neuaustrieb als das Schneiden im Spätwinter. Starker Neuaustrieb ist auch nach sehr weitgehenden Schnittmaßnahmen oder dem Rückschnitt aller Triebe zu erwarten. Häufig wachsen dann so viele Neutriebe, dass eine zu dichte, Licht und Luft undurchlässige Baumkrone entsteht. Darum sollen starkwachsende Bäume nur einen schwachen Rückschnitt erhalten. Entfernt werden steil aufrecht und nach innen wachsende Triebe sowie Konkurrenztriebe. Beim Schnitt ist darauf zu achten, dass immer oberhalb von einem nach außen stehenden Auge bzw. einem Trieb zurückgeschnitten [abgeleitet] wird.
Die reichste Blüten- und Fruchtbildung erfolgt beim Apfel an zweijährigen Trieben: Ältere Triebe sind nur als Gerüst für den inneren Kronenaufbau nötig. An den Fruchtästen alter Bäume befindet sich viel so genanntes Quirlholz [Fruchtspieße], das nur minderwertige Früchte gibt. Solche Fruchtäste leitet man auf jüngere, nach außen stehende Neutriebe ab.
Werkzeug und Durchführung
Schnittmaßnahmen sind immer mit scharfen Werkzeugen durchzuführen: Ungeeignet sind Scheren, die nach dem Ambossprinzip arbeiten. Sie erzeugen Quetschwunden, die schlecht verheilen. Sägen mit einem feingezahnten Sägeblatt hinterlassen gewöhnlich keine ausgefransten Wundränder. Sind die Sägewunden trotzdem nicht glatt, so sollte mit einem scharfen Messer oder einer Hippe nachgebessert werden.
Auf größeren Wunden darf kein Wasser stehen bleiben, es muss ablaufen können: 'Stummelschnitte' sind zu vermeiden. Sie stellen für Krankheitserreger geeignete Eintrittpforten dar. Diese Aststücke sterben ab und können nicht durch das Wundgewebe überwallt werden. Günstiger ist ein Schnitt auf Astring, das bedeutet, der Schnitt wird direkt an der Ansatzstelle durchgeführt. Wunden, die mehr als 3 cm Durchmesser haben, können mit einem Wundverschlussmittel behandelt werden. Wichtig ist, die Wunde vor dem Verstellen der Leiter zu verstreichen.
Beobachtungen, wie sich Bäume entwickeln, an welchen Trieben und Zweigen Früchte gebildet werden, sind Voraussetzungen für den richtigen Schnitt.
Ernte
Im Herbst werden die aromatischen, lagerfähigen Sorten, wie Elstar, Gala und Rubinette, geernet: Diese Früchte sind oft etwas kleiner und daher besonders bei Kindern sehr beliebt. Gerne für Kuchen und Apfelmus verwendet wird der altbekannte Boskoop, der sich auch gut im eigenen Keller lagern lässt. Die spät reifenden Sorten Jonagold und Fuji bilden den Abschluss der Saison. Feinschmecker finden beim Obsthof vor Ort auch Raritäten, wie zum Beispiel den saftigen Topaz, die säuerlich-aromatische Alkmene und den Santana, den auch Allergiker mit Genuss verzehren können.
Die Früchte, die für die Direktvermarktung geerntet werden, lassen die Obstbauern länger am Baum reifen: So entwickeln die Äpfel ihren vollen Geschmack. Außerdem öffnen viele Obsthöfe ihre Anlagen, damit Verbraucher die Äpfel dort selbst pflücken können. Jeder, der seine Äpfel selbst beim Bauern erntet, weiß genau, wo sie gewachsen sind und erfährt dabei, wieviel Arbeit in so einem Apfel steckt. Ein Naturerlebnis nicht nur für Kinder.
Bestäubung
Für einen guten Ertrag muss bei manchen Obstarten, zum Beispiel bei vielen Apfel- und Süßkirschensorten, eine zur gleichen Zeit blühende Bestäubersorte gepflanzt werden: In ländlichen Regionen oder Wohngebieten mit älteren Gärten gibt es meist in der Nachbarschaft Obstbäume, die die Bestäubung sicherstellen können. Wo das nicht gegeben ist, werden zwei Bäume verschiedener Sorten gepflanzt. Wenn der Platz nur für einen Baum reicht, kann man sich - zum Beispiel in einem Neubaugebiet - mit seinem Nachbarn absprechen.
Verwendung der Früchte
Äpfel sind nicht nur frisch sehr lecker, sie eignen sich auch gut zur Verarbeitung: in Kuchen, Tarte, Mus oder Pfannkuchen. Getrocknet, beispielsweise als Apfelringe oder Apfelchips, sind sie außerdem ein gesunder Snack für Zwischendurch. Der Apfelkuchen gehört zu den beliebtesten Obstkuchen und es gibt unzählige regionale Varianten. Zum Backen eignen sich in erster Linie Sorten, die relativ fest bleiben, wie Boskoop, Elstar oder Jonagold, und die nicht zu saftig sind.
Krankheiten
Stippe
Gegen Stippe: Bei den Spätsorten sind im August noch Behandlungen mit Calciumpräparaten sinnvoll. Diese können im Abstand von 1o bis 14 Tagen bis kurz vor die Ernte gespritzt werden.
Apfelwickler
Alljährlich reduziert die Larve des Apfelwicklers, eine Obstmade, die Apfelernte. Diese kleine Falterart ist je nach Witterung ab Mitte Mai zu beobachten.
Weblinks
- Winterschnitt bei Apfelbäumen bei Gartentechnik.de
- Obstgarten im August bei Gartentechnik.de
- Äpfel für den Gabentisch und darüber hinaus bei Gartentechnik.de
- Norddeutsche Apfeltage bei Gartentechnik.de
- Handausdünnung beim Apfel bei Gartentechnik.de
- Kerngesund: Obstsorten im eigenen Hausgarten bei Gartentechnik.de
- Apfelernte: schon jetzt vorsorgen bei Gartentechnik.de
- Apfelbaum und Apfel: Symbol des Lebens bei Gartentechnik.de
- Apfelernte bei Gartentechnik.de
- Apfelbaum bei Gartentechnik.de
- Obstbaumbluete bei Gartentechnik.de