Blüte
Was für Menschen ein Inbegriff von Schönheit ist, hat für die Pflanze eine ganz praktische Funktion: Die Blüte einer Pflanze ist das Organ, welches für ihre Fortpflanzung zuständig ist. Auffallend gefärbte Blüten locken Insekten zur Bestäubung an, denn sie signalisieren den Tieren, die Nahrung suchen, dass Pollen oder Nektar vorhanden sind. Die Insekten tragen Pollen weiter und ermöglichen so die Bestäubung.
Manche Pflanzen brauchen keine Tiere zur Bestäubung, statt dessen nutzen sie den Wind zur Verbreitung der Pollen. Diese Pflanzen, zum Beispiel Haselnusssträucher, Birken und Gräser, haben deshalb keine farbigen Blütenblätter. Ihre Blüten sind unauffällig und einfach gestaltet, so dass der Wind den Pollen ganz leicht in die Welt tragen kann.
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Allgemeine Beschreibung
Die Blüten der Pflanzen, die von Insekten bestäubt werden, sind dagegen Meisterwerke der Natur: In der Mitte befindet sich der weibliche Teil der Blüte mit dem Fruchtknoten und darüber der so genannte Griffel mit der Narbe an der Spitze. Die Narbe ist gewissermaßen der Landeplatz für den Pollen, den die Insekten beim Flug von Blüte zu Blüte am Körper tragen.
Der weibliche Teil der Blüte ist von zierlichen Stäubfäden umgeben, die am Ende die mit Pollen gefüllten Staubbeutel tragen. Das alles wird je nach Pflanze eingerahmt von farbigen Blütenblättern, die nicht nur Insekten anlocken, sondern auch dem Menschen gefallen.
Staubfäden, Fruchtknoten, Griffel und Narbe - was so sachlich klingt, trägt zur ganz besonderen Schönheit vieler Blüten bei: Die zarten Staubfäden bilden oft einen wunderbaren Kontrast zu den sie umgebenden Blütenblättern, was manchmal erst beim genaueren Hinsehen deutlich wird. Bei einigen Pflanzen ist das, was wie eine besonders große Blüte wirkt, aus vielen kleinen einzelnen Blüten zusammengesetzt: Die großen Kugeln verschiedener Zierlaucharten bestehen aus unzähligen Blütensternchen, die sich formvollendet zu einem großen Blütenball vereinen.
Blüte als Lockmittel
Pflanzen, deren Pollen durch den Wind übertragen werden, brauchen keine auffallenden Blüten in leuchtenden Farben: Bei den Windblütlern wie zum Beispiel Haselsträuchern, Walnuss, Birken und Pappeln ist es vor allem wichtig, dass der Wind die Pollen leicht davontragen kann. Um das zu erreichen, blühen viele vom Wind bestäubte [Gehölze] schon vor dem Blattaustrieb. Weil sie keine Tiere zur Bestäubung anlocken müssen, benötigen sie keine auffallenden Blütenblätter. Stattdessen reichen einfach gebaute, farblich unscheinbare Blütenstände.
Ganz anders dagegen die Pflanzen, die auf Insekten zur Bestäubung angewiesen sind: Sie müssen auffallen, um Tiere anzulocken. Das tun sie unter anderem mit lebhaft gefärbten Blütenblättern. Wenn die Bienen auf der Suche nach Nahrung in die Blüte tauchen, nehmen sie Pollen mit, den sie von einer Blüte zur nächsten tragen. Um möglichst leicht am Körper der Insekten hängen zu bleiben, sind die Pollen zum Beispiel mit klettenartigen Haken oder kleinen Stacheln versehen.
Für die Pflanzen ist es wichtig, dass sie sich nicht selbst bestäuben, denn die durch Selbstbestäubung entstehenden Nachkommen könnten schwächer oder anfälliger für Krankheiten sein, weil nur die Eigenschaften einer einzigen Pflanze vererbt werden. Um Selbstbestäubung zu vermeiden, hat sich Mutter Natur einiges einfallen lassen. So gibt es zum Beispiel Blüten, die nur männlich oder weiblich sind und die sich, wie beim Sanddorn, auf verschiedenen Pflanzen der gleichen Art befinden.
Farbe und Duft sind wichtige Lockmittel für Insekten: Um die Wirkung zu erhöhen, bilden Blüten gewissermaßen kleine Teams und vereinen sich zu einem Blütenstand. Durch ihre große Zahl treten auch kleine Blüten besser in Erscheinung. Die dicht an dicht stehenden zierlichen Blüten der Traubenhyazinthen [Muscari armeniacum] beispielsweise verstärken sich in ihrer Wirkung, während sie alleine kaum auffallen würden. Die Blüten der Hyazinthen [Hyacinthus-Orientalis-Sorten] sind zwar größer, würden einzeln aber ebenfalls viel weniger ins Auge fallen.
Für den Betrachter bedeutet das aber auch, dass er oft die Schönheit der einzelnen Blüte gar nicht wahrnimmt, weil die großen Blütenstände und die kräftigen Farben alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Dabei sind die einzelnen Hyazinthenblüten sehr schön, denn sie bilden mit ihren elegant geschwungenen Blütenblättern kleine Blütensterne, die wie Kunstwerke aus feinem Wachs oder Porzellan wirken.
Blüten von verschiedenen Pflanzen
Was bei der Hyazinthe wie eine große Blüte erscheint, ist ebenfalls ein Blütenstand aus ganz vielen Einzelblüten. Alleine würden sie kaum auffallen, doch in so großer Zahl und dicht an dicht machen sie die Hyazinthen zu besonders eindrucksvollen Frühlingsblumen. Jede einzelne dieser kleinen Blüten mit den elegant gebogenen Blättern wirkt von Nahem wie ein Miniaturkunstwerk aus edlem Porzellan.
Die zarten Blüten der Krokusse, oft mit einer schönen Zeichnung auf den Blütenblättern, verdienen genauso einen aufmerksamen Blick aus nächster Nähe wie die hübschen Blüten der Schneeglöckchen: Diese sind nicht einfach nur weiß, sondern haben einen zierenden kleinen grünen Fleck auf den inneren Blütenblättern. Außergewöhnlich sind die Blüten der Schachbrettblumen gefärbt, deren feines Muster tatsächlich an ein Schachbrett erinnert.
Auch die eigenwillige Form und der komplexe Aufbau mancher Blüten laden zum genaueren Betrachten ein. Sehr elegant wirken die Blüten des Hundszahns, die durch die weit herausragenden Staubfäden Assoziationen an Lilien wecken. Die markanten Blüten der Narzissen und der Zwergiris sind ebenfalls wunderbare Beispiele für die Vielfalt, mit der Mutter Natur Frühlingsgärten und -balkone schmückt - vorausgesetzt, man hat im Herbst zu Blumenzwiebeln und Knollen gegriffen und fleißig gepflanzt.