Gras
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Gräser bezaubern im Herbst durch ihr anmutiges Erscheinungsbild, ihre sich sanft im Wind wiegenden Blätter und Halme und durch ihre Struktur. Sie fällt dann stärker auf als im Sommer, denn der Blick wird in dieser Jahreszeit nicht mehr so stark durch farbintensive Blüten abgelenkt. Weil die Hauptblütezeit vorbei ist, treten andere Eigenschaften der Pflanzen deutlicher hervor und bieten neue sinnliche Erfahrungen und Eindrücke.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Geschichte
[bearbeiten] Gräser der 70er und 80er Jahre
Pampasgras, Blauschwingel und Bärenfellgras, eventuell noch Lampenputzergras: damit war die Palette der Gartengräser in den 1970er und 1980er Jahren schon erschöpft. Zwar hielten die Staudengärtner durchaus mehr im Handel bereit, aber so richtig spannend fanden Gartenbesitzer Gräser damals nicht. Heute sind sie gefragt wie nie. Der Grund: Viele Sorten bieten neue Farben und klare oder ungewohnte Formen, die selbst im Balkonkasten oder im Gefäß eine gute Figur machen.
Blättert man in alten Katalogen, stößt man durchweg auf Arten, die auch in der Natur vorkommen: Damals wurde praktisch nicht selektiert oder gar auf besonders ansprechenden Wuchs oder ungewöhnliche Blattfärbung hin gezüchtet. Züchter wie Georg Arends in Wuppertal-Ronsdorf und Karl Foerster, Potsdam-Bornim, kümmerten sich um Astilben, Rittersporn, Phlox und andere Blütenstauden. Die vorherrschende Meinung war: Gräser musste man nicht züchten, es gab sie auch so in kaum überschaubarer Fülle. Für die Bodendecke oder die paar gewünschten grünen Tupfer fand sich schon etwas Passendes.
[bearbeiten] Züchtungen Ernst Pagels´
Staudengärtner Ernst Pagels, 1913 in Leer geboren, nahm sich als einer der Ersten der Gräser an: Ihm hatte es vor allem das Chinaschilf [Miscanthus sinensis] angetan. Aus dem normalerweise rund 2 m hohen Gras entstanden durch Züchtung Sorten wie zum Beispiel die zierliche, nur 80 cm hohe Kleine Silberspinne mit breitem, silbrigem Mittelstreifen. Malepartus, rund 140 cm hoch, besticht durch seine fuchsrote Herbstfärbung. Die etwas höhere Flamingo entwickelt rosa überhauchte Blütenstände.
Züchtung und Auslese besonders schöner Sorten bringt auch bei Gräsern elegante Horste, graziöse Rispen und überraschende Farben hervor, lautet die subtile Botschaft von Pagels Schaffens: Trotz seiner Züchtungserfolge begannen die Gräser ihren Siegeszug erst mit der [Wieder-]Entdeckung der Strukturpflanzen vor rund zehn Jahren. Hinter dem Begriff Strukturpflanzen verbergen sich nur unscheinbar oder nicht blühende Pflanzen, die durch ihre Form und ihre Struktur Klarheit und Ruhe in bunte Pflanzungen bringen.
[bearbeiten] Züchtungsschwerpunkte
Zu einem der Züchtungsschwerpunkte entwickelten sich die vielgestaltigen Seggen: So entstand beispielsweise aus der schlicht grünen, nicht sonderlich auffallenden Neuseeland-Segge [Carex comans] die Sorte 'Bronze Perfection', die einen warmen Bronzeton in den herbstlichen Garten bringt. 'Greyassina' umgibt sich mit puristischem Graugrün. Die dünnen grünen Blattlocken von 'Frosted Curls' recken sich steif in die Luft und erwecken den Anschein von Raureif auf ihren Blättern. Straff aufrecht ragt Carex petriei 'Bronze Form' 4o cm hoch empor. Mit ihrem weichen Bronzeton ist sie im Kübel ein wahrer Blickfang. Wer es noch dunkler mag, findet in 'Milk Chocolate' eine geeignete Variante. 'Evergold' heißt eine Sorte der immergrünen Japan-Segge [Carex hachijoensis], die gut an schattigen Plätzen gedeiht. Elegant gedreht formen die Halme mit ihrem breiten, hellgelben Mittelstreifen dichte Nester.
[bearbeiten] Beschreibung
Anders als viele Stauden werden Gräser durch Wind bestäubt: Statt klassischer Blüten, die Insekten anlocken sollen, tragen sie deshalb stolz ihre zarten Strukturen und ihre Leichtigkeit zur Schau. In einer lebhaften Staudenrabatte wirken sie beruhigend und verzaubern durch ihre sanfte Bewegungen im Wind. Statt großer und auffälliger Einzelblüten bieten sie außergewöhnliche Frucht- oder Blütenstände: Je nach Art und Sorte reicht das Spektrum von lampenputzerähnlichen Ähren bis zu luftig leichten, fedrigen Rispen, die sich im Takt des Windes bewegen.
Aber auch das Linienspiel ihrer schmalen Blätter, das besonders in Kombination mit den Laubformen anderer Stauden und Ziergehölze zur Geltung kommt, spielt bei der Gartengestaltung eine wichtige Rolle: Je unterschiedlicher die Blattform, desto interessanter wirkt das Beet. Neben den vielen grünlaubigen Gräsern bieten gelbe, weiße und blaublättrige Sorten zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten im Garten.
[bearbeiten] Grasarten
Es gibt zahlreiche verschiedene Grasarten, kleine und große.
[bearbeiten] Standort und Pflege
Die meisten Ziergräser bevorzugen sonnige bis halbschattige Standorte: Niedrige Gräser, die nicht höher als einen halben Meter wachsen, kommen sehr gut an Beeträndern und in Heidepflanzungen zur Geltung, betonen verwunschene Treppen oder schmücken Eingangsbereiche. Mittelhohe Gräser bis zu einem guten Meter wirken in lebhaften Staudenrabatten beruhigend und sind ein effektvoller Hintergrund für Pflanzen mit auffälligen Blüten. Großwüchsige Arten sind überdies ein toller Blickfang mitten im Rasen oder eignen sich als Sichtschutz an der Terrasse. Am Rand eines Gartenteiches sind Sumpfgräser, Seggen, Binsen und Rohrkolbengewächse gut aufgestellt, um frische Akzente zu setzen. Ob zierliche Bodendecker oder ornamentale Riesen: Ziergräser sind überaus vielseitig, ihre Schönheit ist elegant und filigran und ihnen wohnt ein besonderer Zauber inne.
Um die stille Schönheit der Gräser sogar im Winter genießen zu können, wenn Schnee oder Raureif sie in faszinierende Skulpturen verwandelt, empfiehlt es sich, sie erst im April zurückzuschneiden, denn sie haben selbst im Winter, mit Raureif bedeckt, noch großen Zierwert. Ist der Herbst nicht zu regnerisch, überdauern einige Gräser sogar bis zum Frühling.. Der Rückschnitt im Frühjahr hat auch den Vorteil, dass Blätter und Blütenstände die Pflanzen noch vor der winterlichen Kälte schützen. Außerdem profitiert die heimische Tierwelt davon, denn die nicht zurück geschnittenen Gräser bieten etwa Vögeln im Winter Schutz und Nahrung.
Es gibt aber einige Gräser, bei denen ein Schnitt im Herbst sinnvoll sein kann: Bei der Riesen-Segge [Carex pendula] und einigen Chinaschilf-Sorten zum Beispiel wird durch das Entfernen der Samenstände die Selbstaussaat vermieden. Am besten fragt man den Fachmann oder die Fachfrau schon beim Kauf von Gräsern nach dem besten Schnittzeitpunkt.
Einige Gräser benötigen einen leichten Winterschutz: Eine wirksame und dabei ganz einfache Methode ist das Zusammenbinden der Gräser, so dass Niederschläge außen ablaufen und die Pflanzen nicht zu viel Nässe ausgesetzt sind.
[bearbeiten] Gestaltung
Mit großer Begeisterung kombinieren Gartenbesitzer die schönen Blattpflanzen mit Sommerblumen und Stauden: Plötzlich präsentieren sich auch Gräser in erstaunlicher Farben- und Formenfülle im Garten. Unordentliche Büsche wandeln sich unter sorgfältiger Pflege zu straffen oder elegant überhängenden Horsten, neue Farben entstehen. 'Riesen' schrumpfen auf Gartenformat und erfreuen mit grazilen Halmen, pompösen Wedeln und graziösen Rispen.
Viele Gräser treiben spät aus und entfalten erst im Sommer ihre volle Schönheit: Als Partner eignen sich deshalb am besten Spätsommerblüher. Ein hübsches Paar für einen fulminanten Sommerausklang sind beispielsweise die Rutenhirse [Panicum virgatum] zusammen mit der Sonnenbraut [Helenium], der Staude des Jahres 2008. Die hellbraunen Ähren, die die Hirse im August und September trägt, passen perfekt zu den orangegelben und braunroten Sorten der Sonnenbraut, die teilweise bis in den Oktober hinein blühen. Aber auch der Sonnenhut [Rudbeckia], Eisenhut [Aconitum], Steinquendel [Calamintha] und Prachtkerze [Gaura] lassen sich mit Schmuckgräsern zu einer eindrucksvollen Komposition zusammenfügen.
Zur Hochform laufen viele Gräser noch einmal im Herbst auf, wenn sich ihr Laub kräftig rot oder orange färbt: Die schönste Ausfärbung zeigen Gräser, die in der vollen Sonne wachsen. Sandrohr [Calamagrostis], Pfeifengras [Molinia] und Plattährengras [Chasmanthium] verfärben sich dann leuchtend gelb und die Ruten-Hirse [Panicum] tönt sich sogar kräftig braunrot. Mit herbstblühenden Stauden wie Astern, Chrysanthemen und Fetthenne [Sedum] bilden diese Gräser ein unschlagbares Team, denn sie bleiben bis zum Ende der Gartensaison attraktiv und schmücken die Beete teilweise bis in den Winter hinein.
[bearbeiten] Weblinks
- Gräser als Schmuckstücke im Garten bei Gartentechnik.de (Urfassung dieser Seite)
- Texturen und Strukturen: Den Garten neu entdecken bei Gartentechnik.de (Urfassung dieser Seite)
- Gräser bei Gartentechnik.de (Urfassung dieser Seite)

