Obstgehölz

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Obst ist immer eine willkommene Erweiterung des Speiseplans.

Obstgehölze tragen mehrjährig essbare Früchte. Sie werden mit Hilfe von Veredelung und Schnitt kultiviert, denn ohne diese Maßnahmen bringen Obstgehölze oft unregelmäßige und geringere Erträge. Man unterscheidet bei den Obstgehölzsorten zwischen Stein- und Kernobst. Wichtige Kernobstsorten sind zum Beispiel Apfel und Birne, wohingegen Kirsche und Pfirsiche zu den Steinobstsorten zählen.

Früher war Obst aus dem eigenen Garten für viele Menschen selbstverständlich: Nutzgärten dienten zur Sicherung der Ernährung und waren weit verbreitet. Nur wenige Privilegierte konnten es sich leisten, Bäume, Sträucher oder Blumen allein der Schönheit wegen zu pflanzen. Doch mit zunehmendem Wohlstand wandelte sich die Gartennutzung, der private Anbau von Nahrungsmitteln verlor an Bedeutung und es entstanden immer mehr Ziergärten.

Inzwischen erlebt der Anbau von Obst und Gemüse eine Renaissance, denn die eigene Ernte steht hoch im Kurs.

Inhaltsverzeichnis

Baumarten

Die Obstgehölze können je nach Wuchshöhe und -form in verschiedene Baumarten eingeteilt werden: So gibt es Säulenbäume, Zwergbäume, Spaliergehölze und viele weitere Möglichkeiten.

Blüte und Befruchtung

Obstbäume haben je nach Art und Sorte ein gewisses Bedürfnis an Kältestunden, um mit dem Austrieb und der Blüte beginnen zu können. Ist dieses Kältebedürfnis erfüllt, treiben die Bäume mit der ersten Erwärmung im Frühjahr kräftig aus.

Die Obstblüten sind für Insekten, vor allem Bienen und Hummeln, eine wichtige Nahrungsquelle: Aber auch für den Obstbauern sind die Insekten unentbehrlich, denn Obstbäume sind auf Fremdbestäubung angewiesen und die fleißigen Helfer sorgen für ausgewogene Befruchtung.

Kauf

Zitronenbaum im Vorgarten

Vor dem Einkauf sollte entschieden werden, welche Obstarten ausgesucht und die Geschmacksrichtung, beim Apfel zum Beispiel süß oder eher säuerlich, festgelegt werden: Bei allen Fragen rund um den Obstbaum für den eigenen Garten stehen die Baumschulen beratend zur Seite. Die Baumschuler wissen auch, welche Obstsorten einen zweiten Baum als Bestäubersorte für eine gute Fruchtbildung benötigen.

Qualität

Bei der Pflanzenqualität sollte es keine Kompromisse geben, denn hier sollte nur das Beste gerade noch gut genug sein: Achten Sie beim Baumkauf darauf, dass die Bäume frei sind von sichtbaren Krankheiten wie Obstbaumkrebs, Wurzelkropf und Schädlingen wie San-Jose-Schildlaus, Rote Spinne und anderen Erregern. Ebenso sollten sie keine Verletzungen oder eingetrocknete Triebe aufweisen durch Hagel und Frost. Auf dem Etikett müssen der Name der Sorte sowie die verwendete Unterlage genannt sein.

Weiterhin sollte die Unterlagen- und Sortenkombination virusfrei sein [das ist mittlerweile Standard] und aus anerkannt zertifizierten Vermehrungsbeständen stammen: Für den Garten werden neben 1jährigen Bäumen auch häufig 2jährige angeboten, besonders bei Steinobst oder Birnen mit Zwischenveredlung.

Gutes Pflanzmaterial bedeutet: mindestens 4 bis 6 Seitentriebe in 70 bis 100 cm Höhe [Spindelbusch] oder 180 cm Höhe [Hochstamm].

Wuchsform

Achten Sie beim Kauf auf eine gute Bewurzelung und eine ausreichend hohe Veredlung [etwa 20 cm über dem Wurzelhals]: Gerade beim Steinobst kann man immer wieder feststellen, dass zum Beispiel Süßkirschen eine unbefriedigende und sehr hoch oder sehr tief sitzende Verzweigung besitzen. Solche Bäume erfordern dann einen erhöhten Aufwand beim Pflanz- und Erziehungschnitt über mehrere Jahre, und das macht keinen Spaß.

Obst als Geschenk

Mit einem Obstbaum oder einem Fruchtstrauch kann man Gartenbesitzern sogar zu Weihnachten eine Freude machen: eine schöne Geschenkidee, auf die nicht jeder kommt.

Als beste Zeit zum Pflanzen gilt im Allgemeinen der Spätherbst bis zum Jahresende. Vielen ist dabei nicht bekannt, dass Obstgehölze noch bis Ende Dezember im Handel erhältlich sind.

Noch in diesem Jahr gepflanzt, kann man sich vielleicht schon beim nächsten Weihnachtsfest an eigenen Äpfeln erfreuen. Sie sollten in festem Zustand geerntet und im Keller gelagert werden.

Nachdem sie einige Tage in einer Fruchtschale nachgereift sind, kann das weiche, aromatische Fruchtfleisch ausgelöffelt und zart schmelzend genossen werden.

Pflanzung

Der Herbst ist genau die richtige Jahreszeit, um Obstbäume oder Beerensträucher in den Garten zu pflanzen. Bis zum Winteranbruch können Hochstämmchen und Sträucher noch Faserwurzeln bilden und dann im nächsten Frühjahr kräftig austreiben. Johannisbeeren, Stachelbeeren oder Himbeeren können ebenfalls jetzt im Herbst gepflanzt werden: Lediglich die etwas frostempfindlicheren Brombeeren sollten besser erst im Frühjahr in den Boden.

Obstgehölze im Herbst pflanzen

Früher wurden Obstgehölze ausschließlich wurzelnackt verkauft: Bei dieser Methode werden sie im Spätherbst, wenn sie schon keine Blätter mehr tragen, ausgegraben und im Laufe der Wintermonate verkauft und gepflanzt.

Mittlerweile gibt es Alternativen: Obstgehölze in Töpfen und Containern. Gut durchwurzelt können sie fast das ganze Jahr gepflanzt werden – außer in Frostperioden.

Die letzten Monate des Jahres gelten jedoch auch grundsätzlich als sehr gute Pflanzzeit, denn diese Jahreszeit bietet zwei entscheidende Vorteile:

Spät gepflanzte Fruchtgehölze bilden, solange der Boden noch nicht gefroren ist, neue Wurzeln: Sie haben somit einen Wachstumsvorsprung gegenüber Pflanzen, die erst im Frühling eingesetzt werden.

Außerdem hat der Besitzer noch gut vor Augen, wie sein Garten im Sommer aussah – ein guter Zeitpunkt also, um zu entscheiden, was sich zum kommenden Jahr verändern soll.

Obstgehölze Pflanztipps

Bei der spätherbstlichen Pflanzung von Containerobstbäumen und Fruchtsträuchern in Töpfen sollten einige Ratschläge beherzigt werden:

Das Obstgehölz darf nicht gleich, nachdem es aus dem Topf gezogen wurde, in das Pflanzloch gesetzt werden. Denn das verhindert ein rasches Anwachsen.

Die Wurzeln wachsen im Topf und Container sehr kompakt. Um sie aus dieser Enge zu befreien, muss man den gepressten Wurzelballen auflösen.

Das geht am besten, wenn man ihn mit den Händen aufreißt oder mit dem Fuß vorsichtig dagegen tritt – wie bei einem Fußball. Dabei sollte sich die Erde teilweise lösen, so dass die Wurzeln locker hängen.

Dann die Pflanze in das gegrabene Loch halten, mit Erde auffüllen, andrücken und angießen: So können die Wurzeln gut in der Breite und in der Tiefe des Bodens anwachsen.

Nach der Pflanzung sollten sämtliche Blätter von den Zweigen abgezogen werden: Die Wurzeln sind nämlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, diese mit Wasser zu versorgen.

Beeren

Beeren lieben es sommerlich, deshalb ist der beste Platz sonnig, warm und geschützt. Vor dem Pflanzen muss der Boden gründlich gelockert sowie mit Kompost und organischem Dünger verbessert werden. Die Pflanzgrube für die Beerensträucher sollte etwa doppelt so breit und so tief sein wie der Ballen. Abgebrochene und verletzte Wurzeln werden abgeschnitten. Meist wird wurzelnackte Ware gepflanzt, nicht selten aber auch getopfte Ware. Am Topf rundgewachsene Wurzeln unbedingt vor dem Pflanzen mit der Schere aufschneiden, sonst ist die Gefahr des 'Sitzenbleibens' groß und der Baum wächst nicht in den Boden!

Obstbäume

Für einen Obstbaum hebt man guten Böden eine Grube von circa 50 cm Tiefe und 1 m Seitenlänge aus: In schwereren oder steinigeren Böden sollte das Pflanzloch größer ausfallen. Die Wurzeln des Baumes werden frisch angeschnitten und beschädigte, geknickte oder angefaulte Wurzelstücke entfernt. Zuerst wird ein Pfahl in den Untergrund des Pflanzloches geschlagen, damit der Jungbaum den nötigen Halt bekommt. Der Pfahl sollte westlich des Obstbaumes stehen und bis zur Krone reichen, aber nicht hineinragen.

Durch die Lockerung des Untergrundes im Pflanzloch können die Wurzeln besser Fuß fassen und es wird Staunässe vorgebeugt: Der Baum wird ins Pflanzloch gehalten und die Zwischenräume der Wurzeln mit Oberboden, der eventuell mit lockerem Humus verbessert wurde, gefüllt. Dabei sollte die Veredlungsstelle des Baumes mindestens eine Hand breit aus der Bodenoberfläche ragen. Das Wässern der Pflanzen mit circa 30 l Wasser erfolgt sofort nach der Pflanzung.

Schnitt

Mit dem Pflanzschnitt wird bis ins nächste Frühjahr gewartet, um eine Schädigung durch eindringenden Frost oder Pilzerkrankungen zu vermeiden.

Bei Beerensträuchern steht nach dem Pflanzen der Rückschnitt an. Bei den Johannisbeeren werden die fünf bis sieben stärksten Triebe auf ein Drittel gekürzt, alle anderen entfernt: Im Pflanzjahr müssen auch Stachelbeeren ähnlich behandelt werden. Etwa 3o Zentimeter Länge ist für die jungen Ruten der Himbeeren und Brombeeren das rechte Maß. Bei den Brombeeren bleiben im ersten Jahr nur ein bis zwei kräftige, junge Ruten stehen.

Zu Beachten

Der Obstschnitt sorgt nicht nur für guten Ertrag & Qualität, sondern fördert auch das Abtrocknen der Kronen nach sommerlichen Regenfällen und vermindert die Gefahr von Pilzinfektionen, wie etwa Schorf. Obstbäume sollten nicht bei Temperaturen unter – 5 Grad C geschnitten werden, weil das Holz dann brüchig ist und Schnittwunden schlecht verheilen.

Grundsätzlich gilt: Nicht schnippeln, sondern schneiden, also lieber eine ganze Astpartie herausnehmen, als mehrere Zweige zu stutzen. Je mehr Schnittstellen entstehen, desto mehr Wunden hat der Baum. Die Äste müssen so geschnitten werden, dass keine Aststümpfe stehen bleiben. Schnittstellen, die größer als ein 5-Mark-Stück sind, mit einem scharfen Messer glattschneiden und mit Wundverschlussmittel bestreichen.

Bei Beeren

Beim Schnitt des Beerenobstes ist darauf zu achten, dass alte Boden- & Basistriebe herausgenommen werden. Dies gilt vor allem für Stachelbeeren. Ist im vergangenen Jahr der Stachelbeermehltau aufgetreten, müssen alle Triebspitzen entfernt werden, auch schwache Triebe. Bei Johannisbeeren ist der Ertrag von einer guten Verzweigung abhängig. Deshalb wird der letztjährige Haupttrieb um ein Drittel eingekürzt, damit er sich verzweigen kann.

Stämmchen werden ähnlich behandelt wie Büsche. Damit sie nicht auseinanderbrechen, einfach die herabhängenden Zweige einkürzen und den Stamm an einem Holzpfahl befestigen.

Am besten lernt man den Obstbaumschnitt übrigens in der Praxis: Schnittkurse bieten zum Beispiel Volkshochschulen und Gartenbauvereine an.

Winterschnitt

Für den Winterschnitt an Obstbäumen eignen sich besonders die ersten Monate im Jahr: Die Obstbäume befinden sich in dieser Zeit im Ruhezustand und tragen keine Blätter.

Jedoch sollte nicht bei Frosttemperaturen von weniger als fünf Grad unter Null oder bei Regen und Schneefall geschnitten werden, weil das die Gefahr einer Infektion erhöht.

Pflege

Obst aus dem eigenen Garten ist lecker, frisch und gesund: Doch bis man schließlich ernten kann, sind einige Hürden zu überstehen. Witterungsverlauf, Befruchtungsverhältnisse, Ernährung des Baums, Krankheiten und Schädlinge nehmen Einfluss. Lassen Sie sich durch schlechte Ernten nicht entmutigen. Richtige Sortenwahl und vor allem die richtige Pflege werden Sie letztendlich mit köstlichen Früchten belohnen.

Obstgehölze im Kübel

Winterfestes Material und Standfestigkeit helfen Probleme zu vermeiden: Pflanzen in bauchigen Gefäßen lassen sich schlecht wieder umtopfen, so dass bei Überalterung entweder das Gefäß zerschlagen oder die Pflanze geopfert werden muss. Für den Transport erweisen sich die leichten Kübel aus Plastik am vorteilhaftesten. Da die Obstgehölze über Jahre hinweg im gleichen Topf stehen, sollte die Füllerde hochwertig und strukturstabil sein, wie im Handel erhältliche spezielle Baumschulsubstrate oder Kübelpflanzenerden. Ein Umtopfen alle drei Jahre fördert die Vitalität.

Schatten, Staunässe oder Trockenheit mindern den Erfolg: Alle Obstgehölze im Kübel benötigen gleichmäßige Bodenfeuchte und einen sonnigen Standort. Eine Düngergabe im Frühjahr in Form eines kalibetonten Langzeitdüngers sorgt für die notwendige Nährstoffzufuhr.

Frosthartes Kübelobst kann für die Überwinterung am besten im Boden eingegraben werden. Ansonsten schützt eine dicke Laubschicht oder mehrere Lagen Noppenfolie die Wurzeln vor Frostschäden. Ein windgeschützter, dunkler Standort in einem Gartenhaus, der nicht zwingend frostfrei sein muss, bringt einen gleichwertigen Schutz.

Tipp:

Stellen Sie die Container ab Austrieb bis nach der Blüte regengeschützt auf [etwa unter einem Dachvorsprung oder einer Pergola]. Pilzinfektionen, wie Schorf und Monilia lassen sich durch Trockenhalten der Blätter elegant umgehen.

Kern- und Steinobst

Bei Kern- und Steinobst gibt es verschiedene Kategorien beziehungsweise Qualitätsstufen, auf die bei der Auswahl geachtet werden sollte:

  • Standard- oder 'CAC'-Material bedeutet, dass die Pflanzen frei von sichtbaren Virussymptomen sind und keine Mängel haben, die die Nutzung der Pflanzen beeinträchtigen.
  • Der Vermerk 'zertifiziert [vf]' stellt die höchste Qualitätsstufe dar und bedeutet, dass die Obstgehölze frei von Viren sind, die eine wirtschaftlich wichtige Beeinträchtigung der Pflanzen zur Folge haben könnten. Gehölze dieser Qualitätsstufe werden von den Obstproduzenten genutzt und stehen in einem breiten Sortiment auch für den Privatgarten zur Verfügung.

Mehrsorten-Bäume

Eine andere Möglichkeit ist ein 'Familienbaum': Dies ist ein Baum, auf dessen Stamm sich durch Veredelung zwei, drei oder noch mehr verschiedene Sorten befinden.

Die Kultur dieser 'Mehrsorten-Bäume' ist eine alte, etwas in Vergessenheit geratene Tradition, die wieder an Bedeutung gewinnt. Die unterschiedlichen Sorten können sich während der Obstbaumblüte gegenseitig bestäuben. Außerdem kann, wenn der Reifezeitpunkt der Sorten unterschiedlich ist, über einen relativ langen Zeitraum geerntet werden.

Zwitterblüten

Es gibt aber auch sogenannte Zwitterblüten: Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Beerenobstpflanzen tragen männliche und weibliche Organe in einer Blüte.

Das klingt vielversprechend, aber dennoch können sich nicht alle Obstgehölze mit Zwitterblüten selbst befruchten.

Krankheiten

Fruchtfäule

Krankheiten an Obstgehölzen sind zum Beispiel Stippe oder Fruchtfäule. Einige Obstsorten sind für Krankheiten anfälliger als andere.

Weiter Obstbaumkrankheiten sind Spitzendürre [Monilia laxa] und Fruchtfäule [Monilia fructigena]: Beide Pilzkrankheiten treten an Kernobst und an Steinobst auf. Und beide Erreger befallen sowohl Zweige als auch Früchte. Eine Unterscheidung zwischen den Pilzen ist äußerlich nur durch die Farbe der Sporen möglich, M. laxa bildet einen grauen Rasen aus und M. fructigena fällt durch einen fahlgrau-gelblichen Sporenrasen auf. Siehe auch Monilia.

Weblinks

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