Orchidee

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Orchidee

Klassiker, die immer mehr Liebhaber finden, sind Orchideen: Mit ihren grazilen Blüten und expressiven Formen sind diese Exoten wahre Glanzlichter für die Wohnung. Trotz ihrer schmetterlingshaften Zartheit sind Orchideen, die es in vielen Pink-, Rot- und Gelbtönen sowie reinem Weiß gibt, erstaunlich robust. Auf ihren schlanken Blütenstängeln erfreuen die Blüten bis zu zwei Monate lang, wenn sie einen hellen Standort haben und nicht direkt der Sonne ausgesetzt sind.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Geschichte

Die Ureinwohner Australiens glaubten, eine solche Schönheit wie die Orchidee könne nicht von dieser Welt stammen. Der Legende nach haben die Götter sie aus ihrem Sternengarten auf die Erde geschüttet, wo sie von Bäumen und Bergen behutsam aufgefangen wurde, um fortan die Welt der Menschen zu besiedeln.

Die Azteken verehrten Orchideen als heilige Gewächse und fertigten steinerne Reliefs mit Orchideenmotiven für ihre Tempel an: Griechische Dichter und Denker widmeten ihr lange und ausführliche Schriften. Die Ureinwohner Nordamerikas kannten - schon lange bevor Europäer ins Land kamen - Vanille, die Schoten einer bestimmten Orchideenart. In buddhistisch geprägten Ländern sind Feierlichkeiten auch heute stets von Orchideenblüten begleitet. Der chinesische Philosoph Konfuzius war besonders vom Duft der Orchidee angetan und bezeichnete sie deshalb auch als Königin der Duftpflanzen. Für ihn bedeutet das Wort Orchidee so viel wie Reinheit, Anmut, Schönheit und Liebe.

Unzählige Sammler und Forschungsreisende zog es über Jahrhunderte in die entlegendsten Winkel dieser Erde, um neue unbekannte Orchideen-Arten zu entdecken: Charles Darwin war beispielsweise fasziniert von einer madagassischen Orchideenblüte, die einen bis zu 35 cm langen Sporn hat und ein besonderes Insekt mit einem langen Rüssel für die Bestäubung benötigt.

Zu finden war die Orchidee ursprünglich vor allem in tropischen und subtropischen Regionen, bis im 16. und 17. Jahrhundert zahlreiche Abenteurer ausschwärmten und hunderttausende Pflanzen nach Europa holten: Die erste tropische Orchidee blühte in Europa 1615 in den Niederlanden. Seitdem entwickelten Züchter daraus eine fast unüberschaubare Vielfalt aus Farben und Formen. Je nach Gattung, Art und Sorte blühen Orchideen weiß, gelb, rosa, rot, blau oder mehrfarbig, stehen aufrecht oder neigen sich sanft: Eine prächtiger als die andere!


Befruchtung

Neben den reinen Äußerlichkeiten, sind die biologischen Finessen der Orchideen besonders erstaunlich und aufregend. Orchideen haben nämlich ziemlich ausgeklügelte Tricks auf Lager, Insekten als Pollenkuriere einzuspannen, um ihren eigenen Fortbestand zu sichern. Einige Orchideenarten haben zum Beispiel Ähnlichkeit mit den Weibchen bestimmter Bienen- oder Wespenarten und verführen so liebeshungrige Insektenmänner zum Sex: Diese wollen immer wieder ihre vermeintliche Partnerinnen begatten und bekleben sich an den Blüten gleich mit ganzen Pollenpaketen. Bei erneuten Kopulationsvorhaben an einer andern Blüte streifen sie den Pollen dort ab und sichern so die zur Fortpflanzung der Orchideen notwendige Bestäubung. Wo andere Pflanzen nur mit Nektar locken, bieten Orchideen also Sex oder zumindest die Illusion davon.

Eine andere Art, das 'Kleine Knabenkraut', schwört auf eine verführerische Parfümierung und bringt fast schon kriminelle Energie auf, nämlich eine zeitweilige Freiheitsberaubung: Auf der Suche nach atemberaubenden Duftquelle hocken sich die Bienenkerle lässig auf den Rand des Blütenschuhs und rutschen - juppheidi - tölpelhaft hinein in die Blüte. Doch die glatten Innenwände verhindern den einfachen Weg zurück in die Freiheit und nur auf einem durch Haare markierten Umweg gelangen die Bienenmänner nach einem Irrlauf schließlich wieder hinaus. Allerdings nicht ohne dabei die Narbe zu streifen und sich mit Pollenpaketen beladen zu lassen. Als voll bepackte Pollenkuriere verlassen sie dann die 'Kesselfalle' und stürzen sich nicht selten ins nächste Abenteuer mit der Orchideennachbarin. Unbelehrbar eben.

Wir Menschen verfallen der Schönheit der Orchideen zum Glück auf ganz andere Weise: Für uns sind sie, je nach Art und Sorte, entweder Ausdruck edler Eleganz oder erhabener Schönheit, filigraner Lebhaftigkeit oder atemberaubender Einzigartigkeit, üppiger Blühfreude oder faszinierender Leuchtkraft, zarter Flatterhaftigkeit oder exotischer Sehnsucht ... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen, wäre da nicht der stetig wachsende Wunsch, sich möglichst bald im Gartencenter oder beim Floristen den Verführerinnen mit Haut und Haar zu ergeben.

Sorten

Frauenschuh: Cypripedium

Es gibt eine unerschöpfliche Anzahl an Orchideensorten, jede mit individuellen Eigenschaften.

Pflegeansprüche

Wegen der besonderen Beschaffenheit ihrer Wurzeln sollte man Orchideen nicht in einfache Blumenerde pflanzen: Ein gutes Orchideensubstrat besteht aus Rindenstückchen, Blähton oder Kork, damit sich die Wurzeln gut verankern können und durchlüftet werden.

Als Zugewanderte aus warmen Gefilden lieben sie es eher warm. Die meisten Orchideen benötigen einen hellen Platz ohne direkte Sonne und wenig handwarmes Wasser. In der Wachstumsphase benötigen die Pflanzen eine Temperatur von etwa 18 bis 2o Grad Celsius, in der Ruhezeit genügen 1o bis 2o Grad. Trockene Heizungsluft oder Zugluft möglichst vermeiden! Da Orchideen eine hohe Luftfeuchtigkeit lieben, fühlen sie sich auch in beheizten Badezimmern wohl.

Ein- bis zweimal pro Woche gießen reicht Orchideen völlig aus: Zu viel ist echt zu viel. Staunässe können sie überhaupt nicht vertragen. Selbst für einen hellen Platz im Badezimmer sind Orchideen geeignet, als tropische Schönheiten lieben sie hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme. Sie blühen umso üppiger, wenn ihre Blätter einmal wöchentlich besprüht werden.

Um optimal zu wachsen, gehen Orchideen gerne auch auf Tauchstation: Da ihnen Staunässe aufs königliche Gemüt schlägt und sie von Zeit zu Zeit eine Trockenphase mögen, ist das Eintauchen der Pflanze in einen Eimer Wasser eine gute Alternative zum Gießen. Am besten verwendet man dabei weiches Regenwasser, in das die Orchidee für ein bis zwei Minuten gehalten wird, ohne dass sich das Substrat lösen kann. Nach dem Bad muss die Pflanze gründlich abtropfen. Die Feuchtigkeit hält sich nun je nach Grobheit des Substrats zwischen einer und drei Wochen.

Doch trotz bester Pflege verblüht selbst die prächtigste Orchidee irgendwann einmal: Wenn man sie dann jedoch für einige Wochen in einen etwas kühleren Raum stellt, wachsen rasch neue Blüten. Phalaenopsis-Orchideen treiben erneut aus, wenn ihre Blütenstiele nach der Blüte um die Hälfte eingekürzt werden. So besteht die Monarchie der göttlichen Prinzessinnen noch lange fort und sie bezaubern monatelang mit ihrer Eleganz.

Vermehrung

Mit Raffinesse nutzen Orchideen ihre verschiedenen Farben und Geruchsstoffe dazu, die sexuellen Sehnsüchte von männlichen Insekten zu wecken, um ihren eigenen Fortbestand zu sichern. Zur Täuschung der einfältigen Insektenmänner ist ihnen jedes Mittel recht, wenn es nur dem Ziel der Befruchtung und der Weitergabe des eigenen Pollen dient.

Raumgestaltung mit Orchideen

In die heutigen Wohnwelten lassen sich Orchideen als feinsinnige Naturzitate problemlos integrieren. Sie sind bestens geeignet, das Verlangen nach lebendiger Ästhetik zu stillen und einen vollendeten Harmonieausgleich zu schaffen.

Kaum einer Pflanze gelingt der Balanceakt zwischen Naturhaftigkeit und formaler Ausstrahlung in einer solchen Perfektion: Orchideen sind, entgegen der landläufigen Auffassung, keine Diven des Pflanzenreichs mit ausgeprägten Starallüren. Ganz im Gegenteil: Sie schätzen reduzierte Aufmerksamkeit, was ihre Pflege betrifft und möchten nur aufgrund ihrer natürlichen Schönheit bewundert und Wert geschätzt werden. Sie sind Verbündete, wenn es darum geht, Räume mit Vitalität zu füllen, ganz egal ob in Küche, Wohnzimmer, Schlaf- oder Arbeitszimmer.

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