Pflege von Obstgehölz
Um viele leckere Früchte von den eigenen Obstgehölzen ernten zu können, ist korrekte Pflege erforderlich.
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Stand- und Starthilfe
Alle schwach wachsenden Unterlagen benötigen dauerhaft einen Pfahl, da sie nicht standfest sind, bei der mittelstark- bis stark wachsenden Gruppe genügt ein Pflanzpfahl zum anwachsen. Entsprechend der Wuchsstärke ergeben sich auch die realisierbaren Baum- bzw. Kronenform.
- Schwach wachsend [Lebensdauer 2o bis 4o Jahre]: Spalierobst, Formobst, Spindel, Spindelbusch
- Mittelstark wachsend [Lebensdauer 4o bis 6o Jahre]: Spindelbusch, Halbstamm
- Stark wachsend [Lebensdauer 6o bis 1oo Jahre]: Hochstamm, Hausbaum, Solitärbaum, Streuobstwiese
Rückschnitt
Grundsätzlich gilt, nicht schnippeln, sondern schneiden: Also lieber eine ganze Astpartie herausnehmen, als mehrere Zweige zu stutzen. Je mehr Schnittstellen entstehen, desto mehr Wunden hat der Baum. Die Äste müssen so geschnitten werden, dass keine Aststümpfe stehen bleiben.
Sommerschnitt
Über den Sommerschnitt an Obstgehölzen ist viel berichtet worden in den letzten Jahren: Es gab Zeiten, da wurden diese Themen recht kontrovers diskutiert. Dabei hatte man mitunter den Eindruck, dass einzelne Methoden wie Pinzieren, Juniriss oder Augustschnitt ganz neu entdeckt wurden. Dabei handelt es sich hierbei um altbekanntes und lang erprobtes obstbauliches Wissen. So berichtet schon Philipp Held in dem Fachbuch 'Der praktische Obstzüchter' von 1894 über die Vorzüge der verschiedenen Sommerschnittarten wie Pinzieren, Reißen, Schneiden oder Ausbrechen. Diese Maßnahmen gehörten besonders beim Formobstanbau zum Standard-Repertoire, um den Bäumen die gewünschte Wuchsrichtung zu geben und sie frühzeitig in den Ertrag [generative Phase] zu bringen.
Winterschnitt
Für den Winterschnitt eignen sich besonders die Monate Jänner und Februar: Die Bäume befinden sich in dieser Zeit im Ruhezustand und tragen kein Laub. Jedoch sollte der Hobbygärtner nicht bei Frosttemperaturen von weniger als fünf Grad unter Null schneiden sowie bei Regen und Schneefall, weil das die Pilzinfektionsgefahr erhöht.
Bei frostfreiem Wetter kann geschnitten werden: Beginnen Sie mit dem Schnitt bei den Kernobstarten oder den Strauchbeeren. Mit dem Schnitt der empfindlicheren Obstarten wie Pfirsich und Aprikosen wartet man bis nach der Blüte.
Größere Schnittstellen mit einem Umfang von einem alten Fünf-Mark-Stück oder größer brauchen dabei nicht mehr mit einem Wundverschlussmittel geschützt zu werden: Durch das schützende Mittel sollte verhindert werden, dass Krankheitserreger in das Holz eindringen und so Krankheiten verursachen. Inzwischen sind die Fachleute jedoch der Meinung, dass die Selbstheilungskräfte der Bäume ausreichen, um aus eigener Kraft mit der Wunde fertig zu werden. Der Einsatz des Wundverschlussmittels kann dazu führen, dass das Holz nicht ausreichend trocknet und die Wundheilung durch die Feuchtigkeit wiederum verlangsamt wird.
Noch eine Anmerkung zum Thema Pflanzschnitt: Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte den Pflanzschnitt direkt beim Fachmann in der Baumschule oder im Gartencenter durchführen lassen. Dort wird zwar in der Regel kräftiger geschnitten, die Anwachsquote ist aber erfahrungsgemäß hoch.
Winterschutz
Auf die Obstgehölze in den Gärten muss im Winter besonders geachtet werden: Der häufige Wechsel von Nachtfrösten zu tagsüber oftmals intensiver Sonneneinstrahlung hat häufig zur Folge, dass die Rinde an den Stämmen aufplatzt und so Schädlinge und pilzliche Schaderreger eintreten können: Ursache dafür ist das zwischen den Zellwänden gefrierende Wasser, das in den Zellen selbst eine Entwässerung einleitet und bei entsprechend langsamem Prozess zu einer Frosthärte in den Zellen führt. Entstehen dabei Eiskristalle, sterben die betroffenen Zellen ab. Plötzlich eintretende Wärme bewirkt hingegen, dass die Zellen auftauen, was eine Überschwemmung zur Folge haben kann. Die Zellen und der Zellverband platzen dann oft großflächig auf.
Abhilfe leisten hier so genannte Baumschutzfarben, die als Bio-Baumanstrich auf die Stämme aufgetragen werden: Diese Kalkbrühe, die als fertige Mischung gekauft werden kann, benötigt eine Antrocknungszeit von etwa zwei bis drei Stunden. Bei Regen und bei Temperaturen von weniger als drei Grad sollte sie nicht aufgetragen werden. Auch muss darauf geachtet werden, dass die Rinde beim Anstrich trocken ist. Alternativ zur Kalkbrühe bietet es sich auch an, die Stämme mit Strohmatten einzuhüllen.
Wildverbiss
Bei einer Wildverbissgefahr ist es empfehlenswert, die Stämme mit einem entsprechenden Schutz zu versehen. 1,2 m hoher Maschendraht, am Pfahl befestigt und um den Stamm gewickelt, sichert die Rinde des Baumes vor dem Appetit von Hasen und Rehen. In Baumschulen und im Gartencenter wird häufig Verbissschutz aus Kunststoff angeboten. Bei Bedarf können Feld- und Wühlmäuse mit entsprechenden Fallen bekämpft werden.
Kontrollen
Eingelagertes Obst im Winter regelmäßig kontrollieren [Temperatur, Luftfeuchte]: Um eine Ethylenanreicherung [süßliches Reifegas] zu verhindern, regelmäßig gut lüften.
Bei jungen Bäumen Stämme auf Wildverbiss kontrollieren und gegebenenfalls durch Drahthosen oder Kunststoffmanschette schützen.
Achten Sie auf eine saubere und unkrautfreie Baumscheibe, dadurch wird einem Wühlmausbefall sowie Rindenkrankheiten wie Kragenfäule vorgebeugt. Besonders jungen bäumen im Rasen sollte man eine angemessene Baumscheibe gönnen.
Bei Bedarf können im Winter Bodenproben auf die Nährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium sowie den Ph-Wert sowie die Bodenart durchgeführt werden: Lassen Sie unbedingt den Humusgehalt mit erfassen, das kostet zwar extra, dadurch erhält man aber einen guten Überblick auf das Nährstoff Nachlieferungsvermögen aus dem Boden. Bei Humuswerten um 5 Prozent erübrigt sich eine zusätzliche Düngung mit Ausnahme bei den stark zehrenden Gemüsearten.
Rodung
Alte und kranke Obstbäume sehen nicht nur jämmerlich aus, sie stellen auch eine Infektionsquelle dar. Zögern Sie daher nicht, sich von solchen Bäumen zu trennen. Nutzen Sie die kalte Jahreszeit, um solche Arbeiten zu erledigen. Jetzt haben Sie mehr Zeit dafür. Ein Apfelbaum kann ohne weiteres älter werden als ein Mensch. Doch häufig kommt ihr Ende schneller, weil ihnen Krankheiten wie der hochansteckende [und meldepflichtige!] Feuerbrand oder Schädlinge wie der Borkenkäfer zu schaffen machen. Und auch wenn der Baum gesund bleibt: Irgendwann ist auch für das schönste Gehölz die Zeit gekommen.
Wenn kein Apfel mehr vom Stamm fällt oder nur noch verkrüppelte Früchtchen von den Zweigen hängen, hilft auch ein radikaler Verjüngungsschnitt nicht mehr weiter. Dann bleibt nur noch das Fällen. Sägen Sie zuerst stückweise die Äste ab, dann können Sie Stamm und Wurzeln roden. An die Stelle der alten Bäume sollten Sie einige Jahre lang keinen Obstbaum pflanzen. Sie riskieren sonst, dass Schadorganismen auf das junge Gehölz übergreifen, zudem drohen Bodenmüdigkeit und Wuchsdepressionen. Kaufen Sie neue Bäume nur in anerkannten Baumschulen, die für die Gesundheit ihrer Ware garantieren.
Der alte Spruch: 'Vorbeugen ist besser als heilen' hat auch im Garten Gültigkeit. Mit einfachen, biologischen Methoden können Sie Ihren Obstbäumen helfen, gesund zu bleiben: Locken Sie Tiere an, die Schädlingen den Garaus machen. Das geht am einfachsten, indem Sie in einer Ecke Ihres Gartens eine Halde aus alten, aber gesunden Ästen und Zweigen anlegen. 'Totholzhaufen' nennt man diese. Allerdings zu Unrecht, denn in diesen Halden wimmelt es höchst lebendig: Viele Nützlinge wie Igel, Erdkröte oder Zaunkönig finden hier Verstecke und Brutplätze. Auch das Anbringen eines Nistkastens zahlt sich aus: Ein Blaumeisenpaar etwa geht bis zu 1ooomal am Tag für den hungrigen Nachwuchs auf Futtersuche. Schlechte Aussichten für Schädlinge.